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February
27, 2003, Frankfurt, Jahrhunderthalle
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SUPPORT
ACT: Pape
& Cheikh
SETLIST:
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TICKETS:
Tix seller: Getgo.de,
tickets.de
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PROMOTER:
MCT Konzertagentur
GMBH
VENUE:
Jahrhunderthalle
Frankfurt
Pfaffenwiese
65929 Frankfurt-Hoechst
GERMANY
Tel. 0 69-36 01-240
Venue website: Jahrhunderthalle

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Traurige
Lieder vom gemeisterten Leben
Tracy Chapman ist
sich treu geblieben, wie sie in der Jahrhunderthalle
demonstriert
Von Wolfgang Spindler, fr aktuell, 28.02.2003
Selten waren in der Geschichte von Blues, Jazz, Folk
und Rock schwarze Frauen nicht nur großartige
Sängerinnen, sondernauch außergwöhnliche
Komponistinnen. Da fällt einem vielleicht die Engländerin
Joan Armatrading ein, die 1980 mit ihrem Album Me Myself
I bewies, daß auch eine Schwarze das Zeug zur
erfolgreichen Liedermacherin haben kann. Aber in den
USA? Fehlanzeige. Dort gaben in der Popmusik weiße
Frauen den Ton an, Joan Baez, Janis Joplin, Linda Ronstadt,
Carole King, Emmylou Harris - Frauenmusik war in den
USA überdies noch fremdbestimmt von Männern,
die Text und Melodie lieferten.
Aber dann betrat am
11. Juni 1988 im Londoner Wembley-Stadion Tracy Chapman
die Weltbühne: Eine junge schwarze Frau, damals
24, sang allein mit ihrer Gitarre selbstkomponierte
Lieder für Nelson Mandela, den Frieden und das
Ende der Rassentrennung in Südafrika, live übertragen
für eine Milliarde Fernsehzuschauer. Die Tochter
eines armen Schwarzen-Haushaltes in Ohio hatte an der
Hochschule gerade in Afrikanistik graduiert, und nun
eroberte sie mit ihren wie ratlos wirkenden Liedern
über Bettler und Sozialhilfeempfänger, über
Revolutionen und machistische Revoluzzer im Nu die Herzen
der Welt. Auch die in Wembley versammelte Rock-Elite
staunte, dass eine Newcomerin ohne jegliches Tamtam
so in den Mittelpunkt des gemeinsamen politischen Anliegens
treten konnte.
Tracy Chapman ist sich
bis heute in dieser Sache treu geblieben. Fünf
Grammys und 34 Millionen verkaufte Schallplatten später
tritt sie noch immer mit der gleichen Attitüde
auf: Hier bin ich, und ich kann nicht anders. Der nun
schon 15 Jahre konservierte Weltruhm scheint spurlos
an ihr vorübergegangen zu sein. Sicherer als in
Wembley, ohne Frage, doch sie macht immer noch keine
großen Worte. Sie liefert keine Bühnenshow.
Ein Statement gegen den drohenden Krieg gegen den Irak?
Sie spielt auf dieser Deutschlandtournee ihr Lied von
der zweiten CD Crossroads; es handelt von Präsidenten,
die ihr Volk nicht vertreten. "Ich glaube,"
sagt sie dazu, "es ist passend, es heutzutage zu
spielen." Fast frenetisch der Applaus ihres Publikums.
Chapman ist im Laufe
ihrer Karriere immer wieder bei großen Wohltätigkeitskonzerten
aufgetreten, für Demokratie in Südafrika,
für die AIDS-Hilfe, für Amnesty International.
Sie ist in gewisser Weise die schwarze Joan Baez: immer
dort, wo es im alten Sinne politisch korrekt ist, nie
sonderlich eitel und beflissen, sondern engagiert und
ehrlich bis zur Rührigkeit. Was hat sich denn auch
geändert seit 1988 ? Die Unterdrückung der
Schwarzen in Amerika? Man höre Across the Lines
von ihrer ersten CD: "Who would dare to go/ under
the bridge/ Over the tracks/ That seperates whites from
blacks." Ihr deutsches Publikum versteht und applaudiert.
Chapmans Timbre, dieser
markante Singsang zwischen Sporan und Alt, bleibt gleich:
seit 15 Jahren, bei jedem ihrer Songs, ob mit oder ohne
Band. Es klingt traurig schön. Komplimente aus
dem Pulikum ignoriert sie. Es geht nicht um sie.
Dennoch darf keiner
ihrer fünf Mitmusiker ein Solo spielen. Tracy Chapman
trägt ihre Texte vor. Daran gibt es wenig zu rütteln,
und sie macht auch keinen Hehl aus der Tatsache, dass
ihre ersten beiden Schallplatten das beinhalteten, was
sie zu sagen hatte. Das waren auch die Songs, die im
Gedächtnis blieben wie ihr größter Hit
Fast Car. Ihr neues Album heißt Let it Rain, fast
fatalistisch, doch nicht mutlos: Tracy Chapman erinnert
an ein paar Grundsätze. In Deutschland kommt das
inzwischen fast so gut an wie der Patriotismus von Bruce
Springsteen. Doch mit ihm hat Tracy Chapman nicht das
geringste zu tun. Und so ziemt es sich auch für
die erste schwarze Singer-/Songwriterin der Neuen Welt.
Musikalisch interessanter, abwechslungsreicher dürfte
es freilich durchaus sein.
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Kehrseite
des "American Dream"
Tracy Chapman als musikalisches Gewissen in der Jahrhunderthalle
Liebt das Getragene:
Tracy Chapman. (dpa )
Von: Kurier-Redakteur
Herbert Heil, Wiesbadener Kurier, 01.03.2003
Am 11. Juni 1988 stand
eine junge schwarze Folksängerin schüchtern
und allein auf der Bühne im Londoner Wembley-Stadion
und faszinierte ein globales Fernsehpublikum beim Konzert
für Nelson Mandela mit den klaren bewegenden Songs
ihres Debütalbums. Quasi über Nacht wurde
die sympathische Sängerin und Gitarristin aus Cleveland/
Ohio zum Star.
Mit einer Musik, die als ehrlich und handgemacht gilt,
hat die inzwischen 38-jährige promovierte Anthropologin
schon viele Millionen Platten verkauft und etliche Grammys
errungen. Jetzt war sie im Rahmen ihrer Deutschland-Tournee
auch in der ausverkauften Jahrhunderthalle zu Gast.
Und wahrlich, Tracy
Chapman enttäuschte ihre Fans im klangakustisch
perfekten Saal nicht. Die typische Mischung aus klagendem
Gesang und harmonischer Akustikgitarre hat oberste Priorität.
Wenngleich die Protestsongs nicht mehr so sehr im Vordergrund
stehen, wie ihre aktuelle CD "Let It Rain"
deutlich macht. Das knapp zweistündige Programm
speist sich zu einem Drittel aus Liedern ihres Debütalbums
aus dem Jahre 1988, zu einem weiteren Drittel aus Songs
der neuen Platte. Dazu Lieder aus den Alben "Crossroads",
"Matters Of The Heart", "Telling Stories"
sowie "New Beginning". Und auch zwei Cover-Versionen
gibt sie ganz zum Schluss als Zugaben zum Besten. Zum
einen Bob Marleys "Get Up, Stand Up" und zum
anderen das ekstatische "Proud Mary", das
viele noch von Tina Turner im Ohr haben dürften.
Tracy Chapman liebt
im Grunde aber mehr das Getragene, die warme musikalische
Umarmung. Nicht von ungefähr ist sie so was wie
das musikalische Gewissen der Musikbranche. Viele sehen
in ihr die schwarze Joan Baez. Die flehend eindringliche
Stimme gibt den melancholisch-minimalistischen Balladen
den letzten Schliff. Tracy Chapman transportiert Botschaften.
Die Texte sind politisch und sozialkritisch. Sie beleuchten
die Trostlosigkeit des Alltags und die Kehrseite des
"American Dream". Angesichts des drohenden
Irak-Kriegs sprach Chapman davon, dass George W. Bush
die Proteste der Menschen nicht einfach ignorieren könne.
Manchmal sind die Lieder
aber auch "nur" Liebeslieder, die unter die
Haut gehen. Wie etwa ihr alter Hit "Baby Can I
Hold You" oder das innige "I Am Yours"
von der aktuellen CD. Mit "Say Hallelujah"
gibt es einen lupenreinen Gospel. Fulminant auch "Another
Sun", ein nach viel Leidenschaft duftender Song.
"Talkin' About A Revolution", einer ihrer
größten Hits, durfte auch an diesem Abend
nicht fehlen. "Die Armen werden sich erheben und
werden bekommen, was ihnen zusteht", singt sie
und ihre langen Dreadlocks schwingen im Takt mit.
Ihre sechs ausgezeichneten
Musiker zeigen ihre Virtuosität nicht vordergründig
und machen einen großen Bogen um jede Effekthascherei.
Sie dienen ihrer Chefin, und die nimmt die starken Impulse
und Vibrationen gerne auf, wenngleich sie die ganz großen
Emotionen doch lieber für sich behält. Erst
bei den Zugaben gibt sie sich einen Ruck und lässt
den Gefühlen freien Lauf. Die Fans sind begeistert
und feiern ihren (Anti)-Star aus voller Kehle und mit
viel Beifall.
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Von
der Fron der Frontfrau: Tracy Chapman spielt ein großartiges
Frankfurter Konzert
Von: Andreas Platthaus,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2003, Nr. 51,
S. 35
Mach uns Angst
Einmal, es ist das
siebte Stück des Konzerts, steht die Sängerin
allein vor dem Mikrophon, ohne die schützend umgeschnallte
Gitarre, ohne die sechsköpfige Bandim Hintergrund.
Das müssen Momente sein für Tracy Chapman,
die sie an ihrem Beruf zweifeln lassen, denn nun ist
sie den Zurufen des Publikums ausgeliefert.
Schon bevor sie auch
nur eine Note gespielt hatte, als sie zu Beginn des
Abends als letzte auf die Bühne kam, schrie es
aus dem ausverkauften Saal: "Ich halt's nichtmehr
aus!" Man bekommt beinahe Angst. Was hat denn diese
Frau, daß ihre Fans sich gebärden, als stünde
da eine Erlöserin auf der Bühne?
Es ist nicht die Gestik
einer Schmerzensfrau, ein schüchternes Lächeln
bleibt fast die ganzen zwei Stunden auf ihrem Gesicht.
Doch dahinter, das macht jede Bewegung klar, jede Reaktion
der Sängerin auf das tobende Publikum, steckt eine
Frau, der dieser Aufruhr vor ihr unverständlich
ist. Eine Frau, die auch nur mit Staunen zusehen kann,
wie ihr Gitarrist Joe Gore einem Berserker gleich sein
Instrument malträtiert, dann wieder in angenehmes
Gliederzucken verfällt, bevor er sich in eine Haltung
zurückzieht, die man für Desinteresse halten
müßte, wenn Gore nicht binnen Augenblicken
wieder mit einzelnen Riffs die ganze Stimmung eines
Lieds verändern könnte. Dennoch hat er wohl
im Verlauf des Konzerts seine Linke öfter in der
Hosentasche als an den Saiten. Und diese Lässigkeit,
diese Exaltiertheit bestaunt Tracy Chapman immer wieder:
So sieht wohl ein Rockstar aus. Warum gilt der Jubel
ihr? Deshalb lacht sie so unbeschwert, wenn ihr Zitteraal
von Gitarrist einen unbeholfenen Schlenkerschritt exerziert
oder sein Instrument unter den Arm klemmt, als trage
er ein Bügelbrett mit sich herum. In diesen Sekunden
steht ein anderer im Fokus, die Frontfrau ist von ihrer
Fron erlöst.
Dieses freie Lachen
der Tracy Chapman ist etwas, was ihr Publikum nie bekommen
wird. Auch nicht bekommen darf, wenn es beim Ruf einer
großen Songschreiberin bleiben soll, des als schwarze
Frau neugeborenen Bob Dylan, wie man sie oft charakterisiert
hat. Nun also steht sie nach sechs Stücken allein
vor dem Mikrophon, ihr markantes Vibrato füllt
die Frankfurter Jahrhunderthalle, und mit einemmal verstummen
alle Zwischenrufe. Niemand brüllt mehr, wie schön
sie doch sei, was für eine Legende und dergleichen
mehr, denn plötzlich wird klar: Die Legende, die
Schönheit, das ist alles Klang. Es ist nicht wichtig,
was Tracy Chapman singt, von den letzten Nächten
einer Liebe, von den Lügen des Präsidenten;
wichtig ist, daß sie singt, daß es diese
Stimme abseits aller üblichen Klangmanipulationen
wirklich gibt, daß es gelingt, ein Konzert zu
geben, das selbst die Erwartungen jener erfüllt,
die nur gekommen sind, um einen Star zu feiern. Auch
sie hören für zwei, drei Minuten eine Stimme,
die unvergleichlich ist, die keinen Körper braucht,
und diese Geisterscheinung von Klang
ist es, was die Faszination von Tracy Chapman ausmacht.
Die Anspannung, der Unglaube angesichts der eigenen
Wirkung, die Irritation durch Zurufe - das alles ist
verziehen, weil nichts davon die Essenz dessen berührt,
was Tracy Chapman ausmacht. Die Größe dieser
Stimme macht uns Angst.
Am Vortag, das erzählt
sie im einzigen gelösten Moment des Konzerts, habe
sie das Museum für Moderne Kunst besucht: "Scary
and inspiring" sei es gewesen, und "I had
my culture yesterday". Dann bricht sie die Erzählung
ab. In dieser beiläufigen Bemerkung aber steckt
der Kern des Selbstverständnisses einer großen
Künstlerin: Kultur ist das, was andere machen.
Sie macht lediglich ihren Job, wenn sie auf der Bühne
steht, deshalb braucht sie keine Angst zu haben. Und
diesen Job macht sie perfekt, auch wenn jede Schwingung
im Saal die Geistererscheinung Tracy Chapmans fortzutragen
droht. Sie muß ihre Erzählung auch gar nicht
fortführen, wir wissen doch, wie sie zu schließen
hat: "You will have your culture tonight."
Angsteinflößend und inspirierend - besser
kann man den Abend schwer zusammenfassen.
[Article
submitted
by: Claudia/Joy [DE]]
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