HERZLICH
· Die Songwriterin Tracy Chapman in Basel
From:
Aargauer Zeitung
Viel Vorschuss-Sympathie schlägt Tracy Chapman
entgegen, als sie mit «In the Dark» beginnt,
einem Liebeslied von ihrem neusten Album «Let
it Rain»: Zwei Liebende entscheiden sich, die
handfeste Sexualität - sie nennt es im Song poetisch
«die Dinge, die manche in der Dunkelheit tun»
- vorerst aufzuschieben und das starke Begehren in
unschuldige Träume einzuschliessen. Nach einem
weiteren stürmischen Applaus kommt «Across
the Lines» über Armut, Diskriminierung
und Rassentrennung in den USA. Geschickt mischt Chapman
in ihrem Bühnenrepertoire alte und neue Songs,
Liebeslieder und sozialkritische Geschichten. «Baby
Can I Hold You», «Talkin Bout a
Revolution», «Youre the One»,
«Fast Car», «Hard Wired» -
alle Stücke werden vom Publikum schon bei den
ersten Tönen erkannt und enthusiastisch begrüsst.
Die ausgezeichnete
Band spielt dezent und elegant die unaufdringlichen
Arrangements. Chapman steht mit der Gitarre vorne
am Bühnenrand, spielt akustisch und elektrisch
Solo oder Rhythmus und erzählt mit ihrer dunklen,
volltönenden Stimme ihre poetischen und realistischen
Geschichten. Die 39-Jährige in hellen Jeans und
dunklem Hemd wirkt frisch und jugendlich, spitzbübisch
und herzlich. Kein Ausspielen der todsicheren Sex-Karte,
keine übertriebenen Gesten. «Behind the
Wall», den A-cappella-Song über häusliche
Gewalt aus den 80er-Jahren - live einmal mehr eindrücklicher
als auf Konserve - unterstützt sie mit ein wenig
Rap-Gestik.
Die Liebeslieder
sind intelligent und warm, aber nie kitschig oder
oberflächlich. Die sozialkritischen Texte, viele
in der Thatcher/Reagan-Ära der 80er-Jahre entstanden,
sind immer noch aktuell, da die sozialen Ungerechtigkeiten
in Europa und in der Welt durch das skrupellose Wirken
der beiden neoliberalen Pioniere und ihrer zahlreichen
Nachahmer noch grösser geworden sind. Gegen den
Schluss des Konzerts drehen Chapman und Band auf,
Reggaesongs und Rockballaden kommen druckvoll daher.
Das Publikum steht auf, bewegt sich in den Sitzreihen
und klatscht mit. Bei den frenetisch geforderten Zugaben
bezieht sich Tracy Chapman auf die aktuelle Situation
mit den weltweiten Friedensdemonstrationen und lässt
mit Bob Dylans Antikriegs-Song «Knockin
on Heavens Door» und Peter Toshs «Get
up Stand up» den Abend kraftvoll ausklingen.
[Submitted by Tim (timdallatomasina@hotmail.com)]